Zurück zur Lebensfreude: Unser Weg nach dem Fesselträgerschaden

Inhaltsverzeichnis

Mein Leo, ein 22-jähriges Deutsches Reitpony XXL, begleitet mich nun seit fast 14 Jahren. Als er zu mir kam, war ich bereits länger nicht mehr geritten. Gemeinsam wollten wir einen Neustart wagen. Doch schon zu Beginn traten Schwierigkeiten auf: Das Vorwärts war unser größter Gegner.

Auf der Suche nach Lösungen gerieten wir leider in Richtungen, die uns eher schadeten als halfen. Was ich damals für feine Reitkunst hielt, führte uns nach und nach in einen Fesselträgerschaden.

Rückblickend war dieser Weg nicht nur negativ, denn er hat mich zu der Therapeutin gemacht, die ich heute bin.

Die Diagnose, die alles veränderte

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als mein Tierarzt sagte:

„Du kommst ein paar Jahre zu spät. Der Schaden ist so massiv, trotz Behandlung wird das nicht mehr verheilen.“

Ich wusste, dass es schlimm war. Trotzdem traf mich diese Aussage wie ein Schlag. Ich schämte mich, weil ich zwar gespürt hatte, dass etwas nicht stimmt, aber das Gefühl hatte, versagt zu haben. Ich fühlte mich wie eine Pferdebesitzerin, die zu spät reagiert hat.

Dabei hatte ich mich gekümmert. Von Anfang an habe ich Leo regelmäßig von Therapeut:innen behandeln lassen und fühlte mich dadurch in trügerischer Sicherheit. Leider erkannte niemand, dass die Ursache seiner Probleme ein beidseitiger Fesselträgerschaden war.

Leos Befunde im Überblick

  • beidseitiger Fesselträgerschaden hinten (links deutlich schlimmer)
  • Probleme im rechten Knie
  • später eine Stufe in der unteren Halswirbelsäule
  • sehr weiches Gewebe, hypermobil in Hals und Beinen
  • fest im Rumpf

Ein klassischer Schenkelgänger war er von Anfang an. Vieles hatte ich bemerkt, aber allein schaffte ich es nicht, etwas dauerhaft zu verändern.

Behandlungen, die nur kurzfristig halfen

Leo bekam Stoßwellentherapie, wurde angespritzt und lief zunächst besser – lahmfrei allerdings nie. Die Verbesserungen hielten nur kurz an, da sein schlechtes Bewegungsmuster tief verankert war. Ohne einen neuen Ansatz konnte ich ihn nicht daraus befreien.

Dabei war Leo gut ausgebildet: Langzügel, Handarbeit, Gelände, Working Equitation, ein bisschen Springen – wir haben uns immer Mühe gegeben.

Doch irgendwann wurde der Alltag für uns beide unerträglich. Nach dem Aufstehen musste Leo minutenlang entlastend stehen, gähnte, webte und kam kaum ins Gehen. Erst nach einiger Zeit konnte er das linke Hinterbein überhaupt wieder abstellen.

Für ihn war das purer Stress. Für mich kaum auszuhalten. Auch die Injektionen mussten immer häufiger wiederholt werden, wirkten aber zunehmend schlechter.

Ein neuer Weg: Tensegrales Training bei Fesselträgerschaden

Eine liebe Kollegin empfahl mir das tensegrale Training. Ich war skeptisch, hatte aber bereits beeindruckende Beispiele gesehen. Pferde mit Fesselträgerschaden oder anderen chronischen Problemen liefen nach einigen Einheiten deutlich besser.

Ich vereinbarte einen Termin und bat ausdrücklich darum, die Übungen nur im Schritt durchzuführen. Mehr schaffte Leo zu diesem Zeitpunkt nicht.

Die ersten Einheiten waren für ihn sehr anstrengend. Trotzdem blieben wir dran. Ich gab uns ein paar Monate Zeit, denn schlimmer konnte es ohnehin nicht werden.

2–3 Mal pro Woche machten wir unsere Übungen.
Zusätzlich gingen wir spazieren und arbeiteten vom Boden aus im Schritt.

Mit der Zeit konnten wir wieder Trab einbauen, anfangs nur kurz, aber stetig steigerbar.

Unser Durchhaltevermögen zahlte sich aus.

Die Abstände zwischen den Injektionen wurden immer länger. Aus wenigen Monaten wurden schließlich zwei Jahre.

Natürlich lief nicht alles problemlos. Es gab Rückschläge und Phasen, in denen Leo kaum einen Spannungsbogen halten konnte. Auf dem Paddock stand er oft rückständig, der Bauch hing durch.

Aber es wurde besser. Langsam und beständig.

Zurück im Sattel – aber mit einem neuen Fokus

Irgendwann konnte ich wieder anfangen, Leo vorsichtig zu reiten. Tensegrales Training lässt sich auch unter dem Reiter anwenden, was eine tolle Ergänzung war.

Allerdings zeigte mir Leo deutlich, dass Dressurplatz und Halle nicht seine Welt sind.

Im Gelände hingegen blühte er regelrecht auf. Er fand das Vorwärts wieder und konnte sogar unter dem Reiter den Rücken heben.

Heute arbeitet Leo am liebsten vom Boden aus. Und das ist völlig in Ordnung.
Ich bin einfach nur dankbar, dass er wieder Lebensfreude zeigt und sich gerne bewegt.

Unsere Trainingswoche heute

  • 2–3x tensegrales Training
  • 1x Reiten oder Ausreiten
  • 1x Handarbeit
  • aktive Pausen
  • 1–2 Stunden Schrittführen, 1–2x täglich

Individuelles Faszientraining für dein Pferd

Mit dem dynamischen Faszientraining helfe ich dir, dein Pferd aus dieser Dysbalance zu holen – sanft, ganzheitlich und mit nachhaltiger Wirkung.

Vereinbare gleich einen Termin für eure Trainingseinheit (mobil im Umkreis von 100 km um 27612 Loxstedt-Stotel

Mein Fazit: Geduld zahlt sich aus

Ein Pferd wie Leo wieder „ins Laufen“ zu bringen, erfordert viel Zeit und Geduld.
Man muss Rückschläge akzeptieren, dranzubleiben und bereit sein, neue Wege zu gehen. Aber es lohnt sich.

Ich bin überzeugt: Ohne die konsequente Umstellung und das individuell abgestimmte Faszientraining wäre Leo heute nicht mehr an meiner Seite.

Deshalb erzähle ich unsere Geschichte. Ich möchte dir Mut machen, wenn du mit deinem Pferd gerade einen schweren Weg gehst – vielleicht ja auch aufgrund eines Fesselträgerschadens.

Was ich dir mitgeben möchte

Leo wird nie ganz lahmfrei sein. Ein Fesselträgerschaden hinterlässt Spuren.
Aber Leo hat seinen Lebenswillen zurückgewonnen.

Wichtig ist mir an dieser Stelle: Nicht jedes lahmende Pferd sollte trainiert werden.
Viele meiner Patienten zeigen ein klares Schmerzgesicht. Dann steht das Training erstmal nicht im Vordergrund.

Hier gibt es kein Schwarz oder Weiß, sondern nur individuelle Entscheidungen und viel Fingerspitzengefühl.

Kennst du schon mein Massagevideo?

Darin zeige ich dir die besten Massage- und Faszientechniken für den Pferdehals, die du super leicht selbst anwenden kannst.

Consent Management Platform von Real Cookie Banner